Zwischen Spielplatz und Waschmaschine oder mein perfekter Sommerurlaub

Es ist einigermaßen lange her, seit ich mich hier das letzte Mal blicken ließ. Nun, das liegt unter anderem daran, dass ich Urlaub hatte. Doch was sich nach viel freier Zeit und vor allem Entspannung anhört, war so ziemlich das Gegenteil davon. Denn wir verbrachten unseren Urlaub dieses Jahr, ganz Corona-konform, Zuhause. Jep. Zwei wunderschöne Wochen zwischen Spielplatz und Herd, Fahrradtouren und Staubsauger, Planschbecken und Einkauf, Paw Patrol und Fensterputzen, Eis essen und Waschmaschine, Ausgehen und Mülltonne putzen – und jederzeit mit dabei das immerwährende „Maaaaaaama, kannst du jetzt mit mir spielen?“ Ach, war das erholsam!

Nein, wirklich. Das fand ich tatsächlich. Denn, was dieses Jahr von vielen bedauert wird, empfinde ich als Erleichterung – nämlich das Nicht-verreisen-können. Ich bin nämlich ein richtiger Reisemuffel. Nun ist es raus. Nein, versteht mich nicht falsch – ich bin sehr gerne wo anders. Aber das Verreisen an sich, finde ich einfach nur anstrengend. Und wer das anders sieht, hat sie doch nicht alle! Der Horror fängt doch schon bei den allerersten Vorbereitungen an.

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„So, Schatz, wo wollen wir dieses Jahr Urlaub machen?“, lautet die Frage meines Mannes jedes Jahr aufs Neue. Und das, obwohl er es eigentlich besser wissen müsste. Meine Antwort ist nämlich seit 11 Jahren die gleiche: „Hmm… keine Ahnung. Ist mir eigentlich auch nicht so wichtig. Hauptsache zusammen. Entscheide du. Du wirst schon das Richtige für uns finden. Du hast es ja sowieso viel besser drauf!“ Diese Antwort mag sich nach Schmeichelei anhören, aber vor allem ist sie eins – nämlich wahr. Denn er hat es besser drauf, als ich. OK, selbst meine Kinder haben es besser drauf als ich, sich für ein Reiseziel zu entscheiden. Und ich vermute, dass sogar ein Schimpanse mit ADHS es besser draufhätte, als ich. Ich bin damit nämlich einfach nur überfordert. Berge oder Meer? Flugzeug oder Auto? Hotel oder Ferienwohnung? Und die wichtigste aller Fragen: Wäre es nicht eigentlich viel sinnvoller, diesen für den Urlaub vorgesehenen riesigen Batzen Geld zu nehmen und ihn für „vernünftige“ Dinge auszugeben? Ich weiß auch nicht – für einen neuen Zaun? Oder den Küchentisch? Oder, wenn wir gleich zweimal nicht verreisen, vielleicht sogar für eine neue Küche? Ihr ahnt es schon – ich bin nicht nur ein Reisemuffel, sondern auch noch ein Reise-Geizhals. Nun ist auch das raus. Jetzt könnt ihr anfangen, den Kopf über mich zu schütteln.

Und das zurecht. Ich weiß ja, wie unfassbar langweilig und abenteuer-unlustig sich das anhört. Und eigentlich möchte ich so gar nicht sein. Doch Tausende von Euro für einige wenige Tage rauszuhauen widerstrebt mir einfach zutiefst. Liegt es an meiner komplett Urlaubsfreien Kindheit? Wäre möglich. Oder aber es liegt daran, dass das Verreisen (und jetzt darf aus dem Kopfschütteln so langsam eine richtige Antipathie entstehen) TATSÄCHLICH eine vollkommen überbewertete und vor allem überteuerte Freizeitgestaltung ist? Denkt mal darüber nach.

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Und dazu kommt ja auch noch das Packen! Um Gotteswillen. So viel Kram, wie ich mit zwei Kindern mitnehmen muss, hatte Noah nicht einmal auf seiner Arche dabei. Klar, auch er musste ein paar Tausend Tonnen Futter und eine Mistgabel mitnehmen, doch musste er etwa auch an die Schwimmflügel denken? Ich vermute nicht. Und auch ein Buggy, ein Laufrad oder ein Kinderbett blieben dem guten Mann erspart. Sonnencreme, Feuchtigkeitscreme, Neurodermitis-Creme, Gesichtscreme gegen Ausschlag, Salbe gegen Mückenstiche, Salbe für den Po, Duschgel, Zahnpasta mit Fluorid für den Großen, Zahnpaste ohne Fluorid für den Kleinen, Zahnbürsten, Haarbürsten – und das sind nur die Pflegeprodukte für die Kinder! Wenn ich auch noch die ganzen Cremes, Wässerchen und Seifchen für meine alternde Haut aufzähle, lest ihr hier morgen noch. Und dabei bin ich noch nicht einmal bei den Klamotten angelangt!

Hört mir bloß mit dem Klamottenpacken auf! Wird es warm? Wird es kalt? Wird es regnen? Brauchen die Kinder „richtige“ Jacken oder reichen die dünnen Regenjacken? „Also beim letzten Mal hatten wir ja viel zu wenig kurze Hosen dabei. Hmm… Aber, wenn es denn nun doch nicht so warm wird? Also vor zwei Jahren hat es ja fast die ganze Zeit geregnet. Da hätten wir noch gut ein paar mehr Pullover gebrauchen können.“ Also ganz ehrlich, alleine diese Packerei ist, in meinen Augen, ein sehr vernünftiger und vollkommen nachvollziehbarer Grund, nie wieder zu verreisen. Davon kriege ich nämlich schon beim Schreiben Kopfweh.

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Doch das Schlimmste kommt ja noch. Und das ist natürlich, (wie könnte es anders ein?), die Reise an sich. Also das sich bewegen von A (dem gemütlichen, wunderschönen Zuhause) nach B (zu einer fremden, einigermaßen beengten Wohnung irgendwo am Wasser). Dieses sich dorthin Bewegen erfolgt in unserem Fall, aufgrund des in kein Flugzeug passenden Gepäcks, stets mit dem Auto. Und auch, wenn es meistens lediglich 3-4 Stunden sind, die wir von Berlin nach „irgendwo am Wasser“ brauchen, sind diese ein weiterer sehr vernünftiger und vollkommen nachvollziehbarer Grund, nie wieder zu verreisen. Denn die Kinder reisen nämlich mit!

„Sind wir schon da? Wie lange dauert es noch? Können wir jetzt anhalten? Kann ich jetzt einen Film gucken? Sind wir schon da? Müssen wir noch lange fahren?“ – sind nur einige wenige Fragen, die bereits in den ersten 10-15 Minuten von der Rücksichtsbank an das mütterliche und väterliche Ohr dringen. Nach so einer vierstündigen Reise bin ich mir sicher – ganz genau so muss es in der Hölle sein. Wer braucht schon einen Dämon der Unterwelt, wenn er Kinder hat?!

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Ist man am Reiseziel endlich angekommen, beginnt der eher unspektakuläre Teil. Denn meistens wird es ja doch ganz nett. Man hängt zusammen ab, geht viel Essen und kommt tatsächlich irgendwie in eine Art Urlaubsstimmung. Wie gesagt, das Woanders-sein, empfinde ich nicht als unangenehm. Und manchmal sogar als schön. Doch irgendwann (in unserem Fall meistens schon nach einer Woche) fängt der ganze Albtraum von vorne an: An alles denken, alles packen, alle zusammen losfahren …

Zuhause angekommen, wartet dann noch das i-Tüpfelchen dieses „vergnüglichen“ Abenteuers auf die nun erholten Urlauber – ein Wäscheberg von der Höhe der Mittleren Wetterspitze (der dritthöchste Berg Deutschlands). So schön! Da will man ja glatt gleich nochmal verreisen!

Also danke, Corona, dass du mir dieses Jahr so unverhofft den entspanntesten Urlaub aller Zeiten beschert hast. Jetzt bin ich ja fast schon geneigt, dir den anstrengendsten Frühling aller Zeiten zu verzeihen.

2 thoughts on “Zwischen Spielplatz und Waschmaschine oder mein perfekter Sommerurlaub

  1. Es spricht mir aus der Seele: „herrliche“ Erinnerungen! Meine Großmutter sagte mal zu mir: “ Ich wohne so gerne!“…😅😊

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